Historie

1835 Tavernen Gesellschaft

Als um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland die ersten privaten Segler noch vereinzelt ihre Bahnen zogen, wurde auf der Oberspree in Berlin Segeln bereits in Gemeinschaft betrieben. Die erste Nachricht über ein Clubwesen stammt aus dem Fischerdorf Strahlau östlich von Berlin. Hier schlossen sich 1835 an die hundert Herren zur »Tavernen-Gesellschaft“ zusammen. Ihre Vereinigung benannten sie nach dem Lokal, in dem sie sich trafen, die ‚Alte Taverne« an der Straße Alt-Stralau Nummer 24. Als Segelrevier diente auch eine Ausbuchtung der Spree, der Rummelsburger See. Die meisten Boote waren wie die Chronisten berichten halbgedeckte Kutter mit hohem Freibord und mit baumlosem Luggersegel und mit bauchigem Vorsegel. Vereinzelt wagten sie sich stromauf bis Köpenick oder sogar zum Müggelsee, der freilich als höchst gefährlich galt. Von einem Wettsegeln war nicht die Rede. Der Tavernen-Gesellschaft war ein striktes Reglement noch fremd, Spaß wollte man in Stralau am Segeln haben. Die Berliner Tavernengesellschaft wird man daher wahrscheinlich nicht als einen Sportverein im heutigen Sinne (mit geregeltem sportlichen Leben und Wettbewerb) verstehen, aber man kann die Tavernengesellschaft als Vorläufer des Berliner Segler-Clubs von 1867 ansehen.

Foto/Zeichnung Tavernengesellschaft

1867 bzw. 1885 Berliner Segler-Club

Mittlerweile hatte das Segeln mehr und mehr sportlichen Charakter angenommen. Von 40 anwohnenden Familien wird im Lokal von Padow in Strahlau am 25.11.1867 der Berliner Segler-Club gegründet. Einige Gründungsmitglieder waren in der Tavernengesellschaft aktiv. Die Clubflagge zeigt die Farben der Norddeutschen Bundes schwarz-weiß-rot, die bei den meisten damals gegründeten Segelvereinen verwendet wurden. Der Berliner Segler-Club wuchs sehr schnell, organisierte die ersten deutschen Regatten und prägte den Wassersport in Deutschland maßgeblich. Die Aktivitäten verlagerten sich ans Treptower Ufer, wo bereits 1869 ein Clubhaus errichtetet wurde. 1885 fusionierte der BSC mit dem auf Stralau zwischenzeitlich gegründeten „Berliner Segler-Verein“ zum „Berliner Yacht Club“, der heute noch existiert:

 

historische Fahne des Berliner Segler-Club

historische Fahne des Berliner Segler-Club

Eine Minderheit lehnt diese Fusion ab, klagt aufgrund formaler Mängel bei der Fusion und bekommt in zweiter Instanz recht. Noch im gleichen Jahr wird der der Berliner Segler-Club mit altem Stander und Statuten neu gegründet, der sich in Köpenick ansiedelte. In Grünau, entlang der heutigen Regatta-Linie, wurde ein neues Clubhaus gebaut und 1905 bezogen.

Lageplan BSC Clubhaus

Clubhaus des Berliner Seglerclub in Grünau

1925 wurde ein Festbuch heraus gegeben, das uns vorliegt. Damals hatte der Berliner Segler Club 142 Mitglieder. 1941 wird das 75. Jubiläum gefeiert. Vom Krieg werden die Männer als Mannschaft knapp. Beim Neuanfang im Westen gerät der BSC mehr und mehr in Vergessenheit, insbesondere da er verzichtet dem DSV beizutreten. Leider wissen wir nichts über den weiteren Verbleib dieses Vereins und freuen uns über Hinweise darüber. Tatsache ist, dass Wassersport auf dem Rummelsburger See zu DDR-Zeiten für die normale Bevölkerung aufgrund der Grenznähe nahezu unmöglich war.

2004 Bootsclub Rummelsburg e.V.

Der Bootsclub Rummelsburg e.V. wurde 2004 von 30 anwohnenden Familien, diesmal aus Rummelsburg, gegründet, um einen Bootssteg zu bauen und vor der Haustür Wassersport zu betreiben. Im Gedenken an den Berliner Segler Club, hat der Bootsclub Rummelsburg e.V. die Flagge leicht modernisiert (dunkelblau-weiß-rot) übernommen. Wir freuen uns, dass die Fahne nach den Kriegswirren und der Unzugänglichkeit des Rummelsburger Sees seit 2011 wieder an ihrer ursprünglichen Stelle weht. Aktuell sind ca. 60 Familien Mitglied im Bootsclub Rummelsburg e.V. Eine vergleichbar hohe Anzahl an Familien aus der Nachbarschaft stehen auf der Warteliste für einen Liegeplatz, beides mit stark steigender Tendenz.

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